
Der wesentliche Unterschied der Sozialwirtschaft zur Privatwirtschaft liegt in der Trennung von Leistungsempfänger und Leistungszahler. In der absoluten Mehrheit werden die Kosten für Leistungen von Kostenträgern aus Bund, Land oder Kommunen übernommen. Da es bedauerlicherweise eine wachsende Nachfrage nach Leistungen gibt, die das Angebot in der Regel deutlich übersteigt, spielten Aspekte wie Wettbewerb, Attraktivität, Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Mehrheit der sozialen Träger eine untergeordnete Rolle. Dies führte unter anderem zu einem hohen Maß an Selbstreferenzialität. Durch die Kostenübernahme der Leistungen durch staatliche Ressourcen waren typisch privatwirtschaftliche Aspekte wie Wettbewerb, Attraktivität, Positionierung auf Märkten und Kommunikation nicht relevant für die Unternehmen der Sozialwirtschaft.
Auch Themen wie Performance, Prozessoptimierung und Rentabilität spielten in vielen Bereichen der sozialen Dienstleistungen viele Jahre keine dominante Rolle. Steigender Kostendruck und sinkende Personalschlüssel führten hier zu teilweise radikalen Veränderungen. Diese Veränderungen bezogen sich auf die theraputischen Kernprozesse, jedoch selten auf das Management der Organisation selbst.
Der Erhalt von staatlichen Mitteln mahnt zur Verantwortung.
Ein stetig steigender Bedarf an sozialtherapeutischen Leistungen ist ein Indiz für eine Verschlechterung der Lebensqualität einer Gesellschaft. Mit Ausnahme von Kitas, deren Bedarf ein positives Signal darstellen, zeigt das enorme Wachstum der Staatsausgaben für Sozialleistungen, das die Gesellschaft vor enormen Herausforderungen steht. Die Bedeutung der Sozialwirtschaft steht in einem Spannungsfeld. Einerseits wirkt ein steigender Bedarf zukunftssichernd und steigert die Relevanz dieser Branche. Andererseits kann eine stetig steigende Nachfrage ethisch, moralisch und soziologisch nicht im Sinne der Sozialwirtschaft sein. Allem voran die Frage nach der Finanzierbarkeit wirft existentielle Fragen für die Zukunft auf. Getrübt wird das Gesamtbild durch einen steigenden Fachkräftemangel, der durch die demoskopischen Fakten verstärkt wird. Die Tatsache, dass erste Kommunen bereits Mittel für soziale Leistungen gestrichen haben, zeigt eindrücklich, das ein WEITER SO nicht die Maxime der Sozialwirtschaft darstellen kann.
In Anbetracht der soziologischen und sozialpolitischen Kontexte steht die Sozialwirtschaft vor enormen Herausforderungen. Es stellt sich die Frage, welches Selbstbild die Unternehmen für die Zukunft entwickeln sollten, was Verantwortung der Sozialwirtschaft zukünftig bedeutet und welche Strategien und Handlungen die Zukunftsfähigkeit dieser Branche sichert ohne sich in der Selbstreferentialität zu verlieren.
Wie kann eine Professionalisierung der Sozialwirtschaft aussehen? Wie kann man Prinzipien der Privatwirtschaft auf die Sozialwirtschaft transformieren, so das Resonanz und Akzeptanz entsteht?